SBB: Fahrzeugflotte ist unterwegs zu Netto-Null

Mit rund 2’500 Strassenfahrzeugen betreibt die SBB eine der grössten Flotten der Schweiz. Deren Elektrifizierung bietet wertvolle Erkenntnisse auch für andere Unternehmen. Die Praxis zeigt: Eine fundierte Analyse und schrittweise Umsetzung sind entscheidend – ebenso das frühe Einbinden der Mitarbeitenden.

Teilen auf
image

Die Schweiz will bis 2050 klimaneutral werden. Noch ehrgeiziger ist das Ziel der SBB: Sie plant, ihre betrieblichen Treibhausgasemissionen bis 2040 um 92% zu senken. «Auch die Strassenfahrzeugflotte muss ihren Beitrag leisten», sagt Julia Plümper, Projektleiterin für die E-Infrastruktur bei der SBB. Bis 2030 soll jedes zweite Fahrzeug elektrisch fahren, bis 2040 die gesamte Flotte.

Clever analysieren statt blind investieren

Der Startschuss zum Projekt fiel mit einer mehrmonatigen Analyse. Dabei wurden ungefähr 40 Fahrzeuge mit GPS-Dongles ausgestattet. Die Auswertung der Fahrprofile ergab, dass 85% aller Fahrten sich problemlos mit E-Fahrzeugen bewältigen liessen, ohne zwischendurch einen Ladestopp einzulegen.

Auch für Betreibende von kleineren Flotten bietet sich dieser Ansatz an. Hauptsache eine Datenbasis steht zur Verfügung, bevor in den Ausbau der E-Ladeinfrastruktur investiert wird.

image
Nicht endlos diskutieren – eine Probefahrt überzeugt mehr.
Julia Plümper, Projektleiterin für die E-Infrastruktur bei der SBB

Mitarbeitende für E-Mobilität gewinnen

Ein möglichst reibungsloser Arbeitsalltag senkt die Skepsis und erhöht die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden. Deshalb stellte die SBB von Anfang an sicher, dass jedes E-Fahrzeug eine eigene Ladestation erhielt, damit niemandem der eigene Parkplatz blockiert wird. Zudem wurde das Spesenreglement angepasst. Mitarbeitende können unterwegs und im Pikett-Dienst zu Hause die Batterien aufladen und erhalten die Ladekosten zurückerstattet.

Tipps aus der Verhaltenspsychologie

«Nichts überzeugt mehr als persönliche Erfahrung», sagt Julia Plümper. Deshalb bewertet sie die schweizweite Roadshow mit Probefahrten als vollen Erfolg. Die Roadshow wurde an vier Standorten durchgeführt, wo viele Flottenfahrzeuge stationiert sind. Die Probefahrten standen allen SBB-Mitarbeitenden offen.

Ängste und Bedenken, zum Beispiel wegen der Reichweite, adressierte die SBB mit einem Massnahmenkatalog, den Verhaltenspsychologinnen und Verhaltenspsychologen von «The Behavior Lab» und der Uni Bern entwickelt haben. Zudem hat Energie Schweiz den ganzen Prozess unterstützt, auch die Erstellung der Broschüre.

Das vollständige Massnahmenpaket steht allen zur Verfügung. Es gibt Tipps, wie man auf Bedenken und Vorurteile eingehen kann, wie zum Beispiel, dass Laden kompliziert sei oder die Reichweite nicht alltagstauglich wäre.

Luft nach oben bei E-Nutzfahrzeugen

Die Auswertungen zeigen, dass bei den Personenwagen die Umstellung auf E-Mobilität bereits rund läuft. Anders sieht es bei den Nutzfahrzeugen aus. Das begrenzte Angebot an Modellen erfüllt teilweise die Anforderungen nicht, etwa bei der Ladefläche, Nutzlast, Anhängelast und 4x4-Antrieb. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Hersteller nachrüsten.

Unterschiedliche Kosten pro Ladestation

Die Kosten für die Ladeinfrastruktur variieren erheblich – je nach baulicher Situation. In einer Tiefgarage mit optimalen Voraussetzungen kostet der Komplettausbau eines Ladepunkts (Ausbaustufe D) einige tausend Franken. Deutlich komplexer und teurer gestaltet sich die Installation an denkmalgeschützten Standorten oder bei engen Platzverhältnissen. Erfreulich für Unternehmen: Sie werden beim Aufbau der Ladeinfrastruktur je nach Kanton finanziell unterstützt. Eine Übersicht von Förderprogrammen bietet energiefranken.ch.

Von der festen Zuweisung zum Sharing-Modell

Anfang 2025 hat die SBB 280 ihrer Fahrzeuge elektrifiziert und parallel dazu 430 Ladestationen installiert. Für die vollständige Elektrifizierung der 2‘500 Fahrzeuge umfassenden Flotte rechnet Julia Plümper mit insgesamt 700 bis 800 Ladestationen. Eine direkte Zuweisung – also eine eigene Ladestation für jedes E-Fahrzeug – war nur für den Anfang geplant, um Mitarbeitende von der E-Mobilität zu überzeugen. Auf Dauer wäre dieses Modell zu teuer und würde zu Überkapazitäten führen. Ein Pilotprojekt soll zeigen, wie sich das Sharing-Modell effizient im Arbeitsalltag umsetzen lässt.

Fakten zum Projekt

Zeitraum des Projekts

2021 bis 2040

Ort / Region

Schweizweit

Kosten und Finanzierung

Die Kosten belaufen sich bis Anfang 2025 auf ca. 4 Millionen CHF.

Involvierte Akteure

Repower AG, lokale Elektroplanungsunternehmen und Tiefbau

Tipps und Tricks

– Mitarbeitende von Anfang an einbinden. Ohne die Akzeptanz der Nutzenden scheitert auch der beste Plan. – Pilotprojekt starten. Erste Erfahrungen sammeln und dann schrittweise ausbauen.

LadenPunkt
Sprachen
Social
bundesbanner de
EnergieSchweiz